Was ist das: 'Grüner Star' oder 'Glaukom'?
Wer ist gefährdet?
Tritt der 'grüne Star' in verschiedenen Formen auf? Kann man diese Augenkrankheit selbst erkennen?
Behandlung der verschiedenen Glaukom-Arten
Lebensweise
Die Aussichten für Ihr Sehvermögen
10 wichtige Regeln

Was ist ein Glaukom?

Als Glaukom oder grünen Star bezeichnet man eine Drucksteigerung im Augeninnern, die verschiedene Ursachen, aber die gleiche Wirkung hat: sie zerstört das Sehvermögen. Diese Krankheit steht unter allen Erblindungsursachen in unserem Kulturkreis an erster Stelle, obwohl bei rechtzeitiger Behandlung das Augenlicht gerettet werden kann.Im Inneren des Auges bildet sich dauernd eine farblose Flüssigkeit, die durch ein schwammähnliches Gewebe, das Trabekel-System, aus dem Auge in die Blutgefäße abgeleitet wird. Wenn dieser Abfluß verstopft ist, steigt der Augeninnendruck. Die einzige "weiche Stelle" liegt dort, wo der Sehnerv als "Kabel" zum Gehirn einmündet. Sie liegt etwa gegenüber der Pupille. Der krankhaft erhöhte Druck zerquetscht nach und nach den Sehnerv, der aus einer Million feinster Fasern besteht, die das im Auge (wie von einer Kamera) eingefangene Bild an das Sehzentrum im Gehirn weiterleiten. Durch den Druck auf die empfindlichen Fasern des Sehnervs stirbt er allmählich ab, was dem Kranken zunächst nicht bewußt wird.Der Augenarzt erkennt diese gefährliche Krankheit frühzeitig u.a. durch die Messung Ihres Augeninnendrucks. Diese Untersuchung ist für Sie unkompliziert und absolut schmerzlos. Wer seine Augen regelmäßig untersuchen läßt, braucht den grünen Star nicht zu fürchten.

Wer ist gefährdet?

Vom Glaukom sind zwei von hundert aller über Vierzigjährigen in der Bundesrepublik betroffen. Mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der Erkrankungen steil an. Die Krankheit ist so gefährlich, weil man sie nicht wahrnimmt, und wenn man sie endlich bemerkt, sind die Schäden nicht mehr rückgängig zu machen.

Wer mit 40 Jahren noch einen normalen Augendruck hat, ist keineswegs sicher, daß diese Werte auch zwei bis drei Jahre später stimmen. Eine einmalige Druckmessung mit normalem Befund gibt keine Garantie für den Rest des Lebens. Eine Augeninnendruck-Steigerung kann besonders jenseits des vierzigsten Lebensjahres auftreten, ohne daß man Schmerzen oder Sehstörungen hat.

Erhöhte Gefahr besteht für Blutsverwandte am Glaukom erkrankter Familienmitglieder. Bei ihnen tritt der erhöhte Augeninnendruck oftmals lange vor dem 40. Lebensjahr auf und ist grundsätzlich eine Erkrankung, mit der sie rechnen müssen. Die Anlage zum Glaukom ist erblich. Wenn einer Ihrer Blutsverwandten von dieser Augenerkrankung betroffen ist, müssen Sie unbedingt Ihren Augeninnendruck alle paar Jahre von Ihrem Augenarzt überprüfen lassen — nicht erst nach dem 35. Lebensjahr!

Ihre Lebensgewohnheiten, Ihr Beruf und Ihre Ernährung haben nach heutiger Kenntnis nichts mit der Entstehung des Glaukoms zu tun. Sicher ist, daß jede Form des Nikotin-Konsums bei Glaukom eine erhebliche zusätzliche Gefahr darstellt, wogegen maßvoller Alkoholgenuß eher nützt als schadet.

Auch bestimmte Medikamente haben Einfluß auf den Augeninnendruck. So erkranken Patienten, die wegen Ihres Rheumas oder ihrer Allergie über längere Zeit Kortison-Präparate einnehmen müssen, öfter als normal am Glaukom. Das gilt nicht nur für Spritzen und Tabletten, sondern auch für Nasentropfen und Zäpfchen.

Auch bei Diabetes oder Gefäßerkrankungen kommt das Glaukom häufig vor.

Verschiedene Formen

Die häufigste Form des Glaukoms ist das Offenwinkel-Glaukom oder das Glaucoma simplex. Hierbei entsteht schleichend, d.h. ohne daß man selbst das geringste davon merkt, im Laufe von vielen Jahren eine Abflußsperre, die den Flüssigkeits-Stau im Auge bewirkt. Die daraus resultierende Schädigung des Sehnervs fällt dem Betroffenen erst auf, wenn ein großer Teil des Sehnervs zerstört ist und Bildausfälle entstehen. Frühe Erkennungsmerkmale gibt es für den Laien nicht. So kann er auch nicht mit dem Finger ertasten, ob sich ein Auge härter anfühlt.

Das Offenwinkel-Glaukom ist deshalb besonders gefährlich, weil der von dieser Erkrankung Betroffene über den Zeitraum von Jahren nichts spürt, während die Krankheit sein Sehvermögen zerstört. Der Augenarzt jedoch kann mit einer Reihe diagnostischer Maßnahmen den Prozeß frühzeitig erkennen und eine Therapie bestimmen, die zuverlässig die Erblindungsgefahr bannt.

Das Winkelblock-Glaukom oder der akute Glaukom-Anfall ist viel seltener und äußert sich durch Symptome, die den Patienten veranlassen, sofort um ärztliche Hilfe zu bitten.

Durch eine abrupte Blockade des Abflusses aus dem Auge treten in der Regel sehr heftige Schmerzen im Auge oder in dessen Umgebung ein — meist verbunden mit einer plötzlichen Sehverschlechterung, die sich darin äußert, daß man seine Umwelt vernebelt sieht, und das sich um Lichtquellen farbige Ringe bilden.

In diesem Fall besteht höchste Gefahr für das Augenlicht, doch durch rechtzeitige fachärztliche Behandlung kann es gerettet werden. Bei plötzlich — meist einseitigen Schmerzen im Auge oder in seiner Umgebung zusammen mit einseitiger Sehverschlechterung muß sofort der nächste Augenarzt konsultiert werden!

Das angeborene Glaukom ist eine Fehlentwicklung des Augeninneren. Seine Symptome äußern sich durch Lichtscheu, Augentränen und manchmal wirkt die Hornhaut vorübergehend oder ständig matt und trüb, vergleichbar mit nebligen Niederschlägen auf eine Windschutzscheibe.

Auch die "ungewöhnlich schönen großen Augen" eines Babys deuten auf ein angeborenes Glaukom hin. Es muß bereits bei den ersten Anzeichen ein Augenarzt zu Rate gezogen werden. Nur eine frühzeitige Operation kann die Erblindung verhüten.

Für die Eltern besteht hierbei kein Grund zur Sorge. Dank der modernen Narkosetechnik ist das Risiko von Untersuchung oder Operation unvergleichlich viel geringer für Ihr Kind als die Gewißheit, bei hohen Augeninnendruck zu erblinden.

Hat Ihr Kind auffallend "schöne" großen Augen, tränt ein Auge oder ist es lichtscheu, dann dürfen sie keine Zeit verlieren und müssen sofort Ihren Augenarzt konsultieren, auch wenn Ihr Kind erst wenige Tage alt ist.

Behandlung der verschiedenen Glaukom-Arten

Beim Winkelblock-Glaukom, das altersunabhängig auftritt, senkt man zunächst mit Medikamenten den Augeninnendruck. Dann wird eine Operation durchgeführt, die das Gleichgewicht zwischen Kammerwasser-Produktion und -Abfluß wieder herstellt. Bei einem angeborenen Glaukom muß diese Therapie grundsätzlich angewandt werden.

Die häufigste Form des grünen Stars, das Offenwinkelglaukom, das nach dem vierzigsten Lebensjahr zunehmend häufig ist, wird zunächst durch medikamentöse Therapie aufgehalten, womit ausgezeichnete Erfolge erzielt werden. Es kommt dabei darauf an, den Augeninnendruck durch Tropfen zu normalisieren, die meist 2-4 x täglich ins Auge getropft werden müssen.

Ähnlich wie ein Diabetiker lernt, die vorgegebenen Zeiten für seine Medikamente einzuhalten, richtet sich auch der Glaukom-Patient nach der Uhr. Auch hat er seine Termine beim Augenarzt, der die Wirksamkeit der Tropfen überprüft. Auf die Mithilfe des Patienten kommt es entscheidend an!

Nur das genaue Einhalten der Zeiten für die Tropfengabe verhindert weitere Schäden am Sehnerv. Ihren Augen zuliebe müssen Sie sehr gewissenhaft sein! Lassen Sie von Ihren Augenarzt kontrollieren, ob Sie die Tropfen in der für Sie richten Weise dosieren, Zeigen Sie ihm, wie Sie das Medikament anwenden.

Lebensweise

Eine normale Lebensweise brauchen Sie nicht zu ändern. Ein bis zwei Tassen Kaffee oder Tee zum Frühstück und nach den Hauptmahlzeiten sind erlaubt. Ein Glas Wein oder Bier abends kann zur Entspannung nützlich sein.

Wenn Sie Gesichtsfeld-Ausfälle haben, müssen Sie den Nikotin-Genuß in jeder Form (Zigarette, Zigarre, Pfeife, Kautabak) völlig aufgeben.

Die Aussichten für Ihr Sehvermögen

Glaukom ist zwar eine der häufigsten Ursachen der Erblindung, doch allein deshalb, weil die Betroffenen zu spät zum Augenarzt kamen. Er kann nur bewahren, was an Sehfähigkeit bei Behandlungsbeginn noch vorhanden ist. Dabei sind die Aussichten umso besser, je früher die Therapie einsetzt.

Entscheindend bei der Behandlung ist das genaue Beachten der Tageszeiten für das Eintropfen und die regelmäßige Kontrolle durch den Augenarzt. Auch für die Untersuchung spielen die Tageszeiten eine Rolle, darum müssen die vom Arzt angegebenen Termine unbedingt eingehalten werden.

Wenn Sie gar nichts am Auge spüren, kann dennoch eine Glaukom-Erkrankung im Beginn vorhanden sein. Lassen Sie nach dem 35. Lebensjahr Ihren Augeninnendruck alle 2-3 Jahre messen. Suchen Sie grundsätzlich Ihren Augenarzt auf, wenn Sie im Auge Schmerzen haben, wenn eine Rötung auftritt oder wenn Sie Veränderungen Ihrer Sehleistung feststellen.

Wenn Sie mehr zu diesen Fragen wissen wollen, finden Sie Auskunft in dem Büchlein

10 wichtige Regeln

Der Grüne Star ist ein weitverbreitetes Augenleiden. Augenarzt und Patient gemeinsam können heute, mit modernen Medikamenten, in aller Regel die Erkrankungen in den Griff bekommen. Wenn Sie die folgenden 10 Regeln beherzigen, können Sie ein Fortschreiten der Erkrankung entscheidend verhindern und ein normales Leben führen:

1. Immer zum Augenarzt

Der Grüne Star ist eine ernstzunehmende Krankheit und verläft oft unbemerkt. Nur der Augenarzt kann ein Glaukom rechtzeitig feststellen und die richtige Behandlung einleiten.

2. Rechtzeitig zur Vorsorgeuntersuchung

Ab dem 35. Lebensjahr sollte jeder Mensch zum ersten Mal zur Glaukom-Vorsorgeuntersuchung gehen. Das gilt besonders für Verwandte von Glaukompatienten, weil der Grüne Star in den meisten Fällen vererbt wird. Raten Sie deshalb dringlich Ihren Kindern und Verwandten, rechtzeitig zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen!

3. Medikamente

Tropfen Sie — wie vom Arzt verordnet — regelmäßig und pünktlich! Nur genau dosierte und regelmäßig getropfte Medikamente können den Augeninnendruck ausreichend senken und so dafür sorgen, daß Ihr Glaukom nicht schlimmer wird.

4. Regelmäßige Kontrolle

Gehen Sie regelmäßig zu den vereinbarten Glaukomuntersuchungen bei Ihrem Augenarzt. Nur durch eine regelmäßige Kontrolle kann Ihr Augenarzt die Medikamente richtig dosieren.

5. Achtung Notfall!

Wenn Sie als Glaukompatient plötzlich starke Kopfschmerzen und Augenschmerzen bekommen, das Auge rot ist und die Sehfähigkeit plötzlich stark abnimmt, kann das ein Glaukomanfall sein. Gehen Sie sofort zu Ihrem Augenarzt!

6. Gesundheitsvorsorge

Bluthochdruck, Zuckerkrankheit und andere Krankheiten haben auch Einfluß auf Ihr Augenleiden. Gehen Sie deßhalb unbedingt regelmäßig zu Gesundheitsvorsorgeuntersuchungen bei Ihrem Hausarzt. Teilen Sie Ihrem Augenarzt Veränderungen Ihres allgemeinen Gesundheitszustandes mit.

7. Verkehrssicherheit

Glaukompatienten können sich in der Regel mit jedem Verkehrsmittel normal bewegen. Es sei denn, es wurde schon ein starker Gesichtsfeldverlust festgestellt. In Zweifelsfällen fragen Sie bitte Ihren Augenarzt!

8. Rauchen

Das Rauchen sollten Sie lieber ganz aufgeben. Neben den bekannten gesundheitlichen Risiken bewirkt Rauchen auch eine verringerte Durchblutung des Sehnervs, was ihn noch stärker belastet.

9. Fernsehen und Lesen

Fernsehen und Lesen können Sie als Glaukompatient wie jeder andere auch. Dasselbe gilt auch für Arbeiten am Computer. Brillenträger sollten regelmäßig beim Augenarzt ihre Brillenstärke überprüfen lassen.

10. Sport und körperliche Betätigung

Körperliche Betätigung schadet Ihrem Glaukom kein bißchen. Im Gegenteil. Wie bei jedem Mesch sorgt vernünftige Bewegung für eine bessere Durchblutung und ein erhöhtes Wohlbefinden — das kommt auch Ihren Augen zugute!

 


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