(Stammwort [Griech.] Müop = mit geschlossenen Augen sehen)

Sie
bezeichnet den Zustand, bei dem die von weit entfernten Gegenständen
kommende Einstrahlung vor der Netzhaut und die divergierenden Strahlen
der näheren Gegenstände auf der Netzhaut fokussiert sind. Deshalb
können nähere Gegenstände klar und deutlich gesehen werden, während
weiterentfernte Gegenstände unscharf wahrgenommen werden. Während
40 Jahre alte Normalsichtige eine Lesebrille brauchen, können Kurzsichtige
in Abhängigkeit von ihrer Fehlsichtigkeit noch mehrere Jahre ohne
Lesebrille auskommen. Es gibt drei verschiedene Arten der Kurzsichtigkeit:
1.
Längenabhängige Myopie
Diese Art trifft am häufigsten auf. Der Brechungsindex des Auges ist normal,
aber die Länge des Augapfels von der vorderen bis zur hinteren Seite ist grösser
als normal , so dass der Brennpunkt vor der Netzhaut liegt.
2.
Krümmungsabhängige Myopie
Die Dimensionen des Auges sind normal, aber entweder die hohe Krümmung der
Linse oder der Hornhaut bricht die parallelen Strahlen mehr, so dass der
Brennpunkt vor der Netzhaut liegt.
3.
Brechungsabhängige Myopie
Die mit dem Alter auftretende Verhärtung der Augenlinse (Der
grauer Star=Kataraktbeginn) kann den Brechungsindex erhöhen.
In solchen Fällen können die Patienten behaupten,
dass sie wegen der auftretenden Myopie besser lesen können.
Außerdem verursacht eine Erhöhung des Blutzuckerspiegels von Zuckerkranken
eine Erhöhung des Zuckeranteiles in der Augenflüssigkeit, so dass die Brechung
im Auge temporär erhöht wird. In diesem Fall entsteht eine vorübergehende
Myopie. Bei solchen Patienten sollten die Augen nach der Normalisierung
des Blutzuckergehalts
behandelt werden.

Viele Faktoren wurden als Ursache der Myopie angegeben. Heute geht man im allgemeinen
davon aus, dass sie erblich ist. Myopie tritt meistens nach dem 5 Lebensjahr
bis zur Pubertät auf. Während der Pubertät beeinflusst das schnelle Wachstum
des Körpers auch die Augen, so dass die Myopie in diesen Jahren schnell
zunimmt. 1 mm Längenänderung verursacht ungefähr eine Fehlsichtigkeit von
3 Dioptrien. Deshalb werden die Brillenstärken in diesen Zeiten immer höher,
bis sie sich im Alter von etwa 20 Jahren stabilisieren.

Die häufigste Beschwerde der Kurzsichtigen ist, dass sie in die Ferne nicht
gut sehen können. Manche Kurzsichtige kneifen ihre Augen zusammen, um besser
sehen zu können. Es ist einem großen Teil nicht bewusst, dass sie eigentlich
nicht gut sehen können. Sie empfinden es als logisch und natürlich und
denken, dass man Gegenstände in größerer Entfernung nicht scharf sehen
kann, weil sie nähere Gegenstände klar und deutlich sehen können. Deshalb
dauert es manchmal eine Weile, bis sie ihre Sehschwäche feststellen.
Von der psychologischen Seite aus ist es bei Kinder und Jugendlichen sehr wichtig,
dass sie gut sehen können. Die Kurzsichtigen ohne Sehhilfe leben im Vergleich
zu Gleichaltrigen in einer eingeengten Umgebung. Sie können sich in sozialer
und kultureller Hinsicht nicht gut entwickeln. Die Tatsache, dass sie in der
Schule die Tafel nicht gut sehen können, kann ihren Erfolg beeinflussen. Dieser
Zustand kann negative Auswirkungen in der Schule und im Leben haben und ihr
Selbstvertrauen schwächen.
So wie die übrigen Refraktionsfehler kann Myopie mit Lasertherapie behandelt
werden. Um die Myopie mit einer Brille auszugleichen, werden konkave Gläser
(an den Seiten dicker, in der Mitte dünner, ) angewendet. Vor die Dioptrienwerte
wird zur Kennzeichnung ein (-) Zeichen gesetzt. Unten sieht man die Dioptrienwerte
(dpt) und die zugehörigen Klassifizierungen.
Leichte
Myopie < 3.00 dpt
Mittlere
Myopie 3.00 - 6.00 dpt
Schwere
Myopie 6.00 - 9.00 dpt
Sehr
schwere Myopie > 9.00 dpt
Patienten
mit schwerer und sehr schwerer Myopie können Schädigungen und
Ablösungen der Netzhaut von der unteren Schicht auftreten, die die Netzhaut
mit Nährstoffen versorgt. Diese Gruppe von Patienten weist außerdem erhöhten
Augen-Innendruck auf. Deshalb sollte eine umfassende Augenuntersuchung in jedem
Jahr durchgeführt werden.
Menschen mit leichter Kurzsichtigkeit können mit ca. 45 Jahren ohne Brille
lesen und damit in kurzen Entfernungen gut sehen. Im Gegensatz dazu können
Menschen mit schwerer und sehr schwerer Myopie ohne Brille auch in kürzeren
Entfernungen nicht gut sehen. Deshalb halten sie z.B. Geschriebenes immer nahe
an die Augen, um besser lesen zu können.